Porträtfotografie: Mein Weg zu einem besonderen Foto

Porträtfotografie: Mein Weg zu einem besonderen Foto

 

 

 

Ich fotografiere mit einer Canon 5D Mark III. Am liebsten verwende ich für meine Porträts ein 50mm f1,2 USM oder ein 85mm f1,8 Objektiv. Damit kann man ein wunderschönes Bokeh erzeugen, bin nah dran aber trotzdem ein Stück weit vom Model entfernt. So fühlt das Model sich nicht bedrängt oder unwohl. Diese Objektive geben mir dank ihrer Lichtstärke und einer weit geöffneten Blende viel Licht sowie eine tolle Hintergrundunschärfe. Zudem kann ich auch bei schlechtem Wetter oder in dunklen Räumen noch gut mit natürlichem Licht fotografieren. 

 

Für Partnershootings nutze ich auch sehr gerne ein 35mm f1,4 Objektiv. Ich musste mich zwar zunächst an die Brennweite gewöhnen, da ich plötzlich so viel Umgebung mit auf dem Bild hatte aber nutze es mittlerweile fast nur noch. Hier mag ich es sehr, die Natur mit in mein Bild einzubauen. Ab und an nehme ich einen kleinen Reflektor mit zum Photoshooting, um mögliche Schatten im Gesicht aufzuhellen. Nutze ihn aber doch recht selten. 

Am häufigsten finde ich meine Modelle tatsächlich noch auf der Straße. Letztens sogar auf dem Flohmarkt. Dabei ist es für mich nicht wichtig, welche Größe die Person hat, welche Maße oder welche Kleidung sie trägt. Das wichtigste sind die Augen und ob sie mir etwas erzählen. Der Ausdruck ist entscheidend. Ich spreche die Personen dann direkt an und stelle mich kurz vor. Habe ich mal keine Karte dabei,

schreibe ich ihnen meine Webseite auf und hoffe, dass sie sich melden. Bisher hat es immer geklappt. Natürlich sind Facebook und Instagram auch wichtige Plattformen um neue Gesichter zu finden. Sollte es mal keine Antwort oder eine Absage geben, nicht entmutigen lassen und weiter suchen. Auf großen Portalen schaue ich gar nicht mehr vorbei. 

 

 

 

 

Habe ich ein Model gefunden, mache ich mir Gedanken zur Location. Diese sollte natürlich auch zu der Person passen. Manchmal denke ich mir aber auch eigene Geschichten aus und suche genau DAS Model dazu. Mit eigenen Geschichten meine ich z.B. erlebtes, Dinge die ich verarbeite und durch andere zum Ausdruck bringen lasse. Ich verbringe viel Zeit mit der Suche nach neuen Locations, da ich mich gerne für jedes Photoshooting neu inspirieren lassen möchte und ungerne immer am selben Ort fotografiere. 

 

Man neigt dann schnell dazu, die Bilder immer gleich aussehen zu lassen. Habe ich eine Location gefunden, schicke ich dem Model immer meine Ideen. Meist habe ich auch eine Vorstellung was das Model für Sachen tragen sollte und welche Farben nicht fehlen dürfen. Ich fotografiere zwar viel in Schwarz-weiß, mag es aber sehr, wenn die Farben harmonieren und sich wiederfinden. 

 

Wichtig ist mir bis zum Tag des Shootings, dass ich Kontakt zu meinem Model oder meinem Pärchen habe. So entsteht eine freundschaftliche Basis auf der man viel schöner miteinander arbeiten kann. Es schafft auch Vertrauen. 

 

Zur Vorbereitung gehört natürlich auch die Ausrüstung. Ich nehme lieber weniger mit als zu viel. Je nach Location habe ich nur meine Kamera und zwei Objektive dabei. Welche Hilfsmittel ich vor Ort nutze erkläre ich im nächsten Schritt. 

 

 

 

Um den Bildaufbau spannender zu gestalten, nehme ich meist einige Hilfsmittel mit zum Photoshooting. Für einen schönen weichen Verlauf im Bild nehme ich z.B. gerne Klarsichtfolie mit und binde diese in verschiedenen Situationen um das Objektiv. Besonders schön finde ich den Effekt am unteren Bildrand. Häufig nutze ich auch alte CDs. Diese kann man vor das Objektiv halten und damit eine schöne Spiegelung oder Reflexe erzeugen. 

 

Deborah habe ich am Kölner Dom fotografiert und unter ein Dach gestellt. Dort war es relativ dunkel aber es kam sehr viel Licht von vorne, sodass ich eine schöne Ausleuchtung hatte und der Hintergrund im dunkeln verschwand. So sieht man die Spiegelungen meist besser. 

 

 

Wenn ich nichts dabei habe, nutze ich auch oft Blätter oder andere Dinge die ich am Boden finde und halte sie vor mein Objektiv. (Bild 03). Hier habe ich die Blüten verwendet, da sie dem gleichen Farbton wie im Hintergrund entsprechen. Ein anderes Hilfsmittel sind Fenster. Hierbei stelle ich das Model ganz dicht an die Scheibe und fotografiere hindurch. 

 

Je nach Hintergrund ist es nicht immer leicht die perfekte Position zu finden aber mit etwas Geduld klappt das in der Regel immer. (Bild 05). Ein weiteres schönes Hilfsmittel sind Licht und Schattenspiele (Bild 04). Wenn die Sonne zu stark scheint, gehe ich mit meinem Model in den Schatten, besonders gerne unter große Bäume, da sie noch ein wenig Licht hindurchlassen und schöne Lichtspiele erzeugen. 

 
Bild 03
Bild 04
Bild 05

AN DER LOCATION

Outdoor: Zunächst verschaffe ich mir eine Übersicht und gehe im Kopf die Motive durch. Das mache ich meist während ich die Kamera auspacke und noch mit dem Model spreche. So bekommt er oder sie es nicht mit und ich sehe nicht verunsichert aus. Ich spreche dann meine Ideen an und frage immer, ob das Model damit einverstanden ist. Wichtig für die einzelnen Locations ist das Licht. Ich bin auf das Licht angewiesen, da ich keine Blitze oder andere Lichtquellen zur Verfügung habe. Ich fotografiere sehr ungerne in der prallen Sonne. Das gibt unschöne Schatten und das Model kann meinst nur angestrengt in die Kamera schauen. Am liebsten fotografiere ich im Schatten, da so das Gesicht schön gleichmäßig ausgeleuchtet ist. Den gleichen Effekt hat man bei bewölktem Himmel. Mein absolutes Lieblingslicht (Bild 06).

 

Ich fotografiere ausschließlich im manuellen Modus. Dabei stelle ich zunächst meine Blende ein. Oft beginne ich bei Blende f2.0 oder f1.8. Danach passe ich die Zeit an. Sollte zu wenig Licht vorhanden sein, passe ich den ISO Wert an. Da ich oft draussen in der Natur bin, stelle ich meinen Weißabgleich meist auf den Modus „Blitz“ um. Dabei wird das Bild sowie die Hauttöne wärmer. Für die Bilderstrecken versuche ich immer möglichst viel Abwechslung in die Bilder zu bekommen. Daher wechsle ich oft den Hintergrund, die Perspektive und das Format. Tendiere bei den Porträts aber lieber zum Hochformat.  

 

Je nach Styling und Farben der Sachen, passe ich den Hintergrund daran an (Bild 07). Finden sich bestimmte Farben im Vorder- und Hintergrund wider, empfinde ich das als sehr harmonisch. enn ich draussen fotografiere, dann am liebsten in der Natur oder an alten Gebäuden mit schönen Fassaden. 

Die Natur gibt einem schöne Farben sowie viele Gestaltungsmöglichkeiten durch unterschiedlichste Strukturen und Formen. Neben dem Licht im Schatten, mag ich das Abendlicht. Ich beginne dann meist 20 Minuten vor dem Sonnenuntergang und fotografiere noch bis die orangene Farbe in die blaue Stunde über geht. Besonders schön ist es, wenn im Hintergrund das Bokeh noch in einem orangenen Farbton leuchtet (Bild 08). 

 

Oft fotografiere ich aber auch direkt in die Sonne. Dabei nutze ich eine weit geöffnete Blende, da ich auch hier den Hintergrund umnscharf haben möchte. Durch die weite Blendenöffnung fällt natürlich viel Licht in das Objektiv und ich muss meine Zeit dementsprechend auf t1/1000 oder höher einstellen. Bild 9 ist mit einer Blende f3.2 und einer Zeit von t1/1600 bei ISO 320 entstanden. Wenn die Kamera keinen Fokuspunkt mehr findet, stelle ich entweder manuell scharf oder halte meine Hand über das Objektiv, um das einfallende Licht abzuhalten. Das klappt sehr gut. Gegenlicht verleiht dem Bild immer eine ganz besondere Atmosphäre und strahlt eine gewisse Ruhe aus  (Bild 10/11).

 

Gegenlichtaufnahmen sind nicht immer einfach aber um so mehr man übt, um so besser wird man. Nach den ersten Aufnahmen kommen natürlich auch die Hilfsmittel zum Einsatz. Dabei mache ich mich auch gerne lächerlich, indem ich versuche Blätter ins Bild zu werfen oder zwischen irgendwelchen Sträuchern sitze;) Wind kann allerdings auch ein schönes Hilfsmittel sein. Ich mag es wenn der Wind durch die Haare weht und einzelne Strähnen in das Gesicht fallen. 

 
Bild 06
Bild 07
Bild 08
Bild 10
Bild 11
Bild 09

 

 

Indoor: Wenn ich in geschlossenen Räume fotografiere, dann meist nur, wenn es draussen regnet oder die Location viel Licht in die Räume lässt. Ich nutze das Fenster dann als Softbox. Dabei stelle ich mich an das Fenster und platziere das Model unmittelbar davor (Bild 12). 

 

Dabei wird der Innenraum wieder abgedunkelt und das Model hat eine schöne Ausleuchtung im Gesicht. Hierbei nutze ich wieder sehr niedrige Blendenwerte wie f1.2 oder f1,8. 

 

 

Habe ich mal kein großes Fenster zur Verfügung, nutze ich einen kleinen Aufsteckblitz von Canon und richte ihn gegen die Decke. In der Regel sind diese weiß und reflektieren das Licht zurück. Das gibt ebenfalls eine schöne Ausleuchtung. Um das Porträt im Innenraum spannender zu gestalten, nutze ich gerne Gegenstände, die dem Bild eine kleine Geschichte verleihen. So wie auf Bild 13. 

Bild 12
Bild 13

POSING

Auch hier gilt: Natürlichkeit! Am liebsten setze ich das Model hin und fotografiere leicht von oben. Dies gibt dem Gesicht und der Schulter eine sehr schöne Form. (Bild 13). Dabei sollte man natürlich schauen, ob man gerade eine Frau oder einen Mann fotografiert. 

 

Verschiedene Perspektiven können auch vieles aussagen und evtl. das falsche ausrücken. Gerne mag ich auch Blicke über die Schulter oder wenn es natürliche Bewegungen sind. Bei jedem Photoshooting lasse ich das Model oder das Pärchen auf und ab laufen. (Dabei nicht vergessen, die Kamera auf „All Focus“ umzustellen, damit die Schärfe sitzt). 

 

Die natürlichen Bewegungen geben eine ganz besondere Bildstimmung wider. In den meisten Fällen finde ich es schön, wenn das Model nicht direkt in die Kamera schaut, sondern den Blick in die Ferne richtet oder leicht nach unten schaut (Bild 14). 

Bild 13
Bild 14

NACHBEARBEITUNG

Zu Hause angekommen sichte ich meine Bilder mit Adobe Lightroom. Hier kann ich ganz einfach mit den Tasten 1-5 meine Favoriten auswählen und die Bilder sortieren. Farbeinstellungen sowie den späteren Look meiner Fotos mache ich komplett mit Lightroom. Hautretusche dagegen mit Photoshop. Lightroom übernimmt dann die Änderungen und legt eine Kopie an. Die Arbeit mit beiden Programmen ist also sehr praktisch.

Die fertigen Bilder kann ich dann direkt aus Lightroom an meine Kunden sowie an meine Webseite und Instagram senden. Meine Kunden erhalte ihre Bilder in einer Online Galerie. Dafür nutze ich Pixiset. Meine Rechnungen erstelle ich ganz einfach mit dem Programm „Grand Total“. Diese beiden Programme haben mir den Alltag echt erleichtert. 

 

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